Das Umland
Westwärts! Richtung Nordsee. Bis zum Horizont erstreckt sich die weite
Marsch. Land, das dem Meer abgerungen wurde. Wie Inseln schwimmen darin die Bauernhöfe, umgeben
von Bäumen, die der Westwind geformt hat. Die ältesten Ansiedlungen, die noch aus der Zeit vor
dem Deichbau stammen, liegen auf kleinen künstlichen Anhöhen, den Warften. Manche Warften waren
so groß, dass sie Platz für ein ganzes Dorf boten: wir sind in Wöhrden angekommen.
Das ist
eine Dorfwarft, ein geschichtsträchtiger ehemaliger Handels- und Hafenort; in der Mitte die
wuchtige Backsteinkirche (1788) mit der Antonius-Wilde-Orgel (1593) und dem schwebenden
Taufengel. In der Nähe das Materialienhaus von 1519 (Bild) und der Gasthof "Oldenwöhrden"
mit dem Sandsteinportal (1634). Die Windmühle (1847), an der alten Bundesstraße , heißt
"Germania". Die Nordsee ist nur noch sieben Kilometer entfernt. Aber wir wandern
weiter, über Wackenhusen, Hochwöhrden und Lieth nach Hemmingstedt. Hier schlugen im Jahre 1500
die Dithmarscher das Heer der Dänen und Holsteiner und behaupteten damit ihre Selbständigkeit:
"Wahr di Garr, de Bur de kumt". Dieser für unmöglich gehaltene Sieg der Bauern gegen die
Fürstenheere machte Dithmarschen in aller Welt bekannt. Lieder, Singtänze, Flugblätter gingen
von Hand zu Hand. - Auf der Dusend-Düvels-Warft, tausend Teufel!, finden Sie das Denkmal zu
dieser Schlacht und daneben ein Infopavillon. Hemmingstedt selbst, auf einer Geestinsel gelegen,
ist ein Ort mit einer alten Schutz- und Wehrkirche (St.-Marien), die Windmühle "Margaretha"
(1858), dem wärmsten Freibad im Land, welches von der DEA-Erdölraffinerie mit Fernwärme versorgt
wird
Doch weiter, hin zum Westende von Heide, der Stadtrandgemeinde Lohe-Rickelshof, wo auch eine
alte Erdölpumpe
(Bild) zu besichtigen ist. Der Ort ist ideal für Gäste, die im Dorf wohnen, aber trotzdem
Stadtleben genießen möchten. Der Ort liegt direkt am Übergang von der Marsch zur Geest. Das
Marschland bildet sich aus angespülten Ablagerungen des Meeres. Nach und nach wurde der Boden so
aufgehört, dass sich im Vorland Salzwiesen bilden konnten, die bei Ebbe frei lagen und bei Flut
überspült wurden. Später wurde dann die Eindeichung vorgenommen und das gewonnene Land meist
landwirtschaftlich genutzt, da der entstandene Kleiboden besonders gute Erträge versprach. Die
Geest wiederum, ist eine hoch liegende Landschaft, die durch die Eiszeiten aus Geröll, Sand und
Ton gebildet wurde. Gletscher transportierten Material von den Gebirgen Skandinaviens bis nach
Dithmarschen hinein. Der Geestrand hebt sich deutlich von der davor gelegenen Marsch ab.
Östlich von
Lohe-Rickelshof führen die Wege ins Hügelland, ins "Grüne Herz Dithmarschens", nach Nordhastedt.
Hier können Sie sich ein Ruder- oder Tretboot mieten und über den großen Mühlenteich (Bild)
schippern. Gleich nebenan das Waldschwimmbad, ausgedehnte Wanderwege, ein Trimmpfad und ein
Waldlehrpfad. Ein kleiner Bach, der hinunter zur ehemaligen Wassermühle führt. Im Dorfzentrum
die Katharinen-Kirche (um 1100), die "Ole Schriewerie" und einige sehenswerte Häuser, Karstens
Hof zum Beispiel, ein reetgedecktes Hallenhaus aus dem Jahr 1812.
Die Region weiter nordöstlich von Heide wird von den Flusslandschaften der
Eider, der größte Fluss in Schleswig-Holstein, bestimmt. Es ist etwas Eigenartiges um
diesen Fluss, unbegradigt, Naturbelassen windet er sich durch das Land. An den Ufern teilweise
hohe Pappeln, Erlen und Weiden; Schafe und Rotbunte; ab und zu tuckert ein Boot vorbei, setzt
ein Segler seine Segel (Bild). Schon die alten Wikinger benutzten die Eider als schiffbare
Verbindung von der Nord- zur Ostsee; doch die Zeit der großen Häfen ist längst vorbei. Das
Eiderland ist heute ein Refugium für Erholungssuchende, Wassersportler und Angler. Jedes Mal,
wenn man den Geestrand, sei es bei Hennstedt, sei es bei Kleve, erreicht hat, öffnet sich der
Blick in die Niederung und es ist, als betrete man eine andere, vom Tempo unserer Zeit noch
unberührte Welt. Delve ist ein altes Schifferdorf; reetgedeckte Häuser, darunter
"Kapitänshäuser" aus der blühenden Zeit der vielen Eiderschiffe. Auch die drei Votivschiffe, die
im Inneren der St.-Marien-Kirche hängen, verweisen auf diese Zeit, da Delver Seeleute die Meere
befuhren. Der kleine spätromanische Feldsteinbau entstammt dem Anfang des 13. Jahrhunderts - so
alt sind hier die Siedlungen. Es gibt hier auch Strände an der Eider, einen der schönsten ist
der von Schwienhusen: tatsächlich, ein richtiger kleiner Sandstrand, Geheimtipp für Familien;
hier können Sie auch Ihr Paddelboot an Land ziehen.Eine ähnliche Vergangenheit wie Delve hat
auch Hennstedt. Der Name des Ortes leitet sich ab von dem dänischen Wort "Havnstede" =
Hafenstätte. Heute ist Hennstedt eine lebhafte Ortschaft mit zahlreichen Geschäften und
Gaststätten sowie dem altehrwürdigen "Kaisersaal". In der Mitte,
von hohen
Bäumen umgeben, St.-Sekundus: ein lang gestreckter, im Schiff noch spätromanischer
Kirchenbau. Am Ortsrand lockt ein Freibad; in Horst an der Eider liegen ein Bootshafen, eine
Ferienhaussiedlung, ein Campingplatz und eine Badestelle. In der Nähe von Hennstedt in Richtung
Glüsing, bei Gut Apeldör, liegt ein 18-Loch Golfplatz (Bild). In Kleve tritt die alte Steilküste
sehr deutlich zutage. Weit geht von hier oben der Blick über die Marsch in die Eiderniederung.
Weiter im Landesinneren liegt Linden, das "Europa Dorf". Der Ort unterhält heute Partnerschaften
mit gleichnamigen Orten in fünf Ländern ("Linden grüßt Linden").
Die höchsten Berge Dithmarschens finden Sie bei Welmbüttel und Gaushorn.
Neunundsiebzig Meter (!) über den Meeresspiegel erhebt sich hier der Heidberg, umgeben von
Heideflächen und ausgedehnten Wäldern. Viele Hünengräber können Sie dort auf Ihrer Wanderung
entdecken. Bei Dellstedt beginnt das Naturschutzgebiet Birkwildmoor Im Dorfkern der alte
Dorfteich mit den Enten, ein Freibad und die Bauernwindmühle, ein sehenswerter vierkantiger
Galerieholländer.
Erreicht man Tielenhemme ist die Eider wieder ganz nah. Ursprünglich aus
einer Eiderinsel hervorgegangen, ist der Ort heute Festland. Hier, am Eiderdeich nah dem
Sportboothafen "Tileport", lebt auch zurückgezogen die Lyrikerin Sarah Kirsch. Nur wenige
Brücken führen über die Eider, eine der wenigen bei Pahlen. Bekannt ist Pahlen heute durch das "Pahlazzo",
hier finden große Konzerte und Veranstaltungen statt. Im Süden liegt das Schwesterdorf Dörpling,
mit dem Freibad und er Windmühle "Fortuna" von 1853 (Bild). Bei Hövede, am Breiten Berg geht´s
in rasanter Abfahrt in Richtung Tellingstedt. Bereits 1140 wurde St. Martin erwähnt: die Kirche
aus Feldsteinen mit dem schiefen Turm, mitten im Dorf gelegen. Hier saß auch schon Klaus Groth,
der mit "Min Jungparadies" Tellingstedt, dem Dorf seiner Mutter, ein literarisches Denkmal
gesetzt hat.
Aber gehen Sie auch in die Kirche hinein und bewundern Sie die älteste noch
spielbare Orgel in Schleswig-Holstein, die 1642 von Tobias Brunner aus Lunden erbaut wurde.
Außerdem finden Sie in Tellingstedt noch ein Freibad mit
Campingplatz
und die Amtsverwaltung (Bild). Weiter nach Rederstall, wo in einer Fischfarm nicht nur Forellen
gezüchtet werden. In Schalkholz gibt es einen Falkenhof, wo Sie Adler und Falken auch im freien
Flug und bei der Arbeit sehen können. Der Kreis schließt sich und wir nähern uns von Nordosten
kommend, wieder der Kreisstadt Heide. Weddingstedt ist viel älter als Heide, wurde schon vor
über 850 Jahren urkundlich erwähnt und war eine der Gerichtsstätten von Alt-Dithmarschen.
Im Turm der St.-Andreas-Kirche soll sich das Gefängnis befunden haben. Von
der Kirche aus können Sie zu einer interessanten Wanderung auf- brechen: vorbei an der Windmühle
"Aurora"
(Bild) von 1832, über Borgholz zur Steller Burg. Die Burganlage war zur Zeit Karls des Großen
der nördlichste Vorposten seines Reiches. Heute sind die Reste der Ringwallanlage ein beliebtes
Ausflugsziel. Der Ringwall ist noch erhalten; er entstand in der Karolingerzeit, im 9.
Jahrhundert, und schützte die Fluchtburg, wehrte aber auch die von See kommenden Wikinger ab.
Über Waldstedt erreichen wir die "Kreistannen" mit dem Forsthaus, den Spazier- und Reitwegen,
dem Trimmpfad und dem Hünengrab "Steenoben" in Ostrohe. In Ostrohe findet man eine kleine aber
feine private Zweiradsammlung mit über 200 alte Hochräder und Motorräder aus der Zeit ab 1910.
Ostrohe liegt am Rand des Ostroher Moores und hier in der Nähe entspringt auch die Broklandsau.
Weiter geht es nach Wesseln, dem kleinen Vorort von Heide mit dem Rugenbarg. Von hier hat man
einen weiten Blick in die Marsch in Richtung Neuenkirchen. Eine anmutige Dorfkirche aus der Zeit
der Backsteingotik, umgeben vom Friedhof. An der neuen B 5 liegt das Naturschutzgebiet "Weißes
Moor". Stelle-Wittenwurth, das Doppeldorf, liegt zum Teil auf einer alten Dünenfläche.
Über den ehemaligen Steller See kann man jetzt trockenen Fußes laufen.
An dieser Stelle endet unsere kleine gedankliche Rundreise durch die Umgebung von Heide und
Dithmarschen. Wir hoffen,
dass wir Ihnen die Region um unsere Ferienwohnung etwas näher bringen konnten. |